Lenné und der englische Landschaftspark

Peter Joseph Lenné (1789-1866).Der Parkstil des „Englischen Landschaftsgartens" entwickelte sich im politisch-ideologischen Klima Englands des späten 17. Jahrhunderts. Die 1685 durch die erfolgreiche „Glorious Revolution" mit konstitutioneller Monarchie und parlamentarischer Regierung in England durchgesetzten Ideen der Aufklärung fanden rasch ihre Entsprechung in anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Die Aufklärung verherrlichte den Pathos der Freiheit; alles autoritär Geregelte war ihr zuwider, sei es im politischen oder gesellschaftlichen Leben oder in Fragen des täglichen Lebens und Geschmacks. Besondere Aufmerksamkeit widmeten die Aufklärer der Natur und Landschaft. Daher erklärt sich die Leidenschaft für Gartenbau und Landschaftsgestaltung, die bei vielen Aufklärern zu beobachten war.

Die Anhänger der englischen Aufklärung sahen im absolutistischen Frankreich den Inbegriff des Autoritären und die Negation der Freiheit. Dies schien auch in den barocken Gärten, insbesondere Versailles', als Abbild der politischen Zustände zum Ausdruck gebracht: gestutzte Bäume, gezirkelte Broderien, begradigte Kanäle.

Liberale Großgrundbesitzer waren in England nicht nur Befürworter der politischen Veränderungen, sondern als Anhänger der Auffassung, dass ein Zusammenhang zwischen Gartenkunst und Staatsform bestünde, auch Vorreiter der neuen Gartengestaltung, die weite Wiesenflächen, Baumgruppen, gewundene Bäche, kurzum eine naturbelassen wirkende Szenerie, zum Ideal erhob.

Neben England, wo der neue Stil sich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts durchsetzte, war Deutschland aufgrund seines Klimas sehr geeignet für den neuen Gartenstil, der hier um 1770 aufgegriffen wurde und sich um 1800 fest etablierte. Nicht politisch-ideologische Motive oder nationales Selbstbewußtsein waren hierfür Grundlage, sondern die Naturverherrlichung der Aufklärung sowie die Begeisterung für die Ideen Jean-Jacques Rousseaus. Auch waren es hier nicht liberaler Großgrundbesitzer, sondern die zahlreichen Territorialherren, die im Territorialstaat Deutschland den Ton angaben.

Der am 29. September 1789 in Bonn geborene Peter Joseph Lenné entstammte einer Gärtnerfamilie. Sein Vater war Kurfürstlicher Hofgärtner, sein Onkel Joseph Clemens Weyhe wirkte in Brühl, sein Cousin Maximilian Friedrich Weyhe wurde Gartendirektor in Düsseldorf. Nach Lehrjahren in Brühl, Bonn Paris und Wien bewarb Lenné sich 1816 in Potsdam, wo er bereits 1818 zum Mitglied der kgl. Gartendirektion ernannt wurde und für Entwürfe und Verbesserungsvorschläge für die königlichen Gärten sowie die Überwachung der Hofgärtner verantwortlich zeichnete. Der preußische Königshof wurde sein wichtigster Auftraggeber und Gönner. Hauptwerke Lennés sind die Gartenanlagen Sanssoucis, die Pfaueninsel, der Schlosspark Charlottenburgs und der Berliner Tiergarten, aber auch Privatgärten, Platzbegrünungen oder Kurparke. Auch der Plan zur landschaftlichen Verbindung aller Potsdamer Anlagen geht auf Lenné zurück.

1824 Gartendirektor, 1854 ausgezeichnet mit dem Ehrentitel „General-Garten-Direktor", beeinflusste Peter Joseph Lenné maßgeblich die Gartengestaltung seiner Zeit und trug durch die Gründung einer Gartenbaulehranstalt (1823) auch zur Ausbildung einer ganzen Gärtnergeneration bei.

Lenné selbst begann seine gartenkünstlerische Tätigkeit zu einem Zeitpunkt, als sich der englische Landschaftsgarten in Deutschland allgemein durchgesetzt und seinen Höhepunkt erreicht hatte. Dem Zeitgeist entsprechend lehnte er regelmäßig-formale Anlagen ab und sah seine Parkanlagen als Volksgärten. Ein wichtiges Element der Parkgestaltung waren ihm die Sicht- oder Blickachsen, die den Blick des Besuchers auf Einzelbäume, Baumgruppen oder Gebäude lenken sollten.

Der Bad Homburger Kurpark gilt als späte Schöpfung Lennés und zudem als einzige Gartenschöpfung außerhalb des Berliner Raumes, die heute noch weitgehend im Originalzustand erhalten und auch dokumentiert ist. Obwohl ein Spätwerk, ist der Park am besten mit Lennés Entwurf für den Park zu Schloss Charlottenhof, dem Potsdamer Anwesen des Kronprinzen Friedrich Wilhelm (1825) zu vergleichen. Grund hierfür mag der weitgehend übereinstimmende Flächenumriss sein. Als „Charlottenhof en miniature" weist der Bad Homburger Kurpark ähnliche Wegeerschließlung, Kurparkweiher (in Charlottenhof geplant, aber nicht umgesetzt),, Bachverlauf von Osten nach Süden, weite Wiesenflächen sowie einen Schmuckplatz auf.

Eine Sichtachse verläuft vom Kurhaus über Kurhausgarten hin zur Fontäne im Kurparkweiher und schafft somit eine optische Verbindung zwischen Kurhausgarten und Kurpark. Die zweite zentrale Achse reicht von Elisabethenbrunnen über die Brunnenallee.
Die Orientierung an Charlottenhof wurde auch durch die Firma Siesmayer aufgegriffen, die 1886 vor der Molkenanstalt (Römerbrunnen) das Rosarium anlegte und sich somit ebenfalls an ein Element der Potsdamer Parkanlage hielt.

Quellen: Bücher und Schriften über englischen Landschaftsgarten und Peter Joseph Lenné, Stadtarchiv Bad Homburg v.d. Höhe